Pendeln: Fluch oder Segen? – #StayRelaxed

Pendeln, ob zur Arbeit oder zur Uni, ist für viele Alltag, vor allem in Deutschland. Laut dem  Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung pendelten 2016 etwa 18,4 Million Deutsche zur Arbeit. Das sind knapp 60% aller Arbeitnehmer, die durchschnittlich rund 44 Minuten am Tag auf dem Arbeitsweg unterwegs sind.

 

Was ist pendeln eigentlich genau?

Laut der Bundesagentur für Arbeit gelten alle sozialversicherungspflichten Arbeitnehmer als Pendler, deren  Arbeitsort sich von ihrem Wohnort unterschiedet. Natürlich kann man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer aller Pendler noch deutlich höher liegt, da auch innerhalb von Großstädten die Arbeitswege sehr lang sein können. Denn der durchschnittliche Arbeitsweg in Deutschland beträgt 16,9 km, in Städten wie Hamburg oder Berlin auch leicht im Stadtbereich erreichbar. Des Weiteren unterscheidet man bei der Betrachtung von Gemeinden zwischen Ein- und Auspendlern. Die Zahl der Einpendler einer Stadt beschreibt, wie viele Arbeitnehmer aus anderen Gemeinden kommen, die Zahl der Auspendler die Zahl der derer die aus der betrachteten Gemeinde in andere Gemeinden pendeln. Zu beachten bleibt außerdem, dass Studenten oder Schüler nicht in die statistische Erhebung fallen.

 

Was sind die Pendlerhochburgen Deutschlands?

Die Liste der Städte mit den meisten Pendlern führt München mit insgesamt über 365.00 Einpendlern gefolgt von Frankfurt am Main mit 348.000 Pendlern an. Den stärksten Zuwachs an Pendlern verzeichnet Berlin mit 274.000, rund 53% mehr als im Jahr 2000. Außerdem pendeln noch immer deutlich mehr Menschen von Ostdeutschland nach Westdeutschland mit rund 404.000, also 2,5 mal als andersherum. Denn von Westdeutschland pendeln nur 158.000 Arbeitnehmer nach Ostdeutschland. Dennoch verkleinert sich diese Verhältnis allmählich: Im Jahr 1999 waren es noch viermal so viele Menschen, die von Ost nach West pendelten (308.000) wie von West nach Ost (77.000).

Die Städte mit dem höchsten prozentualen Einpendler sind jedoch ganz andere. In Heidelberg kommen knapp 70% aller sozialversicherungspflichten Angestellten aus einer anderen Gemeinde, gefolgt von Ludwigshafen am Rhein und Erlangen mit einem Anteil von jeweils rund 69%.

 

Was sind die Folgen von Pendeln?

Im Großen stellt Pendeln einerseits eine riesige Umweltbelastung dar. Es sorgt für überfüllte Züge, verstopft Innenstädte und Fernstraßen. Im Kleinen ist das Pendeln für den Einzelnen in mehrerer Hinsicht schädlich: Das Stresslevel bei Pendlern ist deutlich höher als bei anderen Arbeitnehmern. Der britische Forscher David Lewis fand sogar heraus, dass Pendler teilweise einen höheren Stresspegel als Kampfpiloten haben.  So klagen rund zwei Drittel aller Pendler über körperliche oder psychische Beschwerden. Häufige Beispiele hierfür sind Kopf- und Nackenschmerzen sowie Schlafstörungen. Wer täglich mehr als 45 Minuten pro Stecke unterwegs ist, gefährdet sogar seine Gesundheit. Eine Studie des Schweizer Ökonomen Bruno Frey fand heraus, dass wer mehr als eine Stunde zur Arbeit unterwegs ist, 40% mehr verdienen müsste um genauso glücklich zu sein, wie jemand mit kurzem Arbeitsweg.

In manchen Landkreisen von Rheinland-Pfalz wie dem Rheinland-Pfalz-Kreis (80%) liegen die Auspendlerquoten sogar so hoch, dass sie zu den laut BIP-Statistik ärmsten Landkreisen Deutschlands gehören, obwohl die Einkommen im oder über dem Bundesdurchschnitt liegen.

 

Was sind die Gründe zu pendeln?

Die Gründe zu pendeln liegen normalerweise auf der Hand. Zum einen explodieren die Mieten in den Großstädten, sodass viele die tägliche Pendelstrecke für bezahlbaren Wohnraum in Kauf nehmen. Zum anderen pendeln eben auch viele, weil sie ihr Leben außerhalb der Stadt nicht aufgeben wollen und stattdessen lieber länger zur Arbeit fahren. Sollte man Familie haben, will man seine Kinder oft auch nicht aus ihrem vertrauten Umfeld reißen. Außerdem kann Pendeln durch die Pendlerpauschale steuerlich geltend gemacht werden.

 

Was kostet Pendeln eigentlich?

Pendeln ist oft mit höheren Kosten verbunden, als die meisten überhaupt wissen. 68% aller deutschen Pendler nutzen das Auto für den täglichen Arbeitsweg. Dabei kostet ein Zweitauto zum Pendeln schon allein zwischen 2000 € und 4000 € im Jahr ohne auch nur einen Kilometer zu fahren. Je nach Fahrtstrecke muss man also tief in die Tasche greifen, da Benzin-, Instandhaltungskosten usw. noch dazukommen. Aber auch der öffentliche Nahverkehr ist nicht billig. So kosten Jahreskarten meistens über 1000 €, wenn nicht sogar mehr, wenn der Arbeitgeber sich nicht beteiligt. Besonders bei Fernpendler überwiegen die Pendelkosten meist die Miete einer kleinen Wohnung am Arbeitsort. Außerdem bleibt einem der tägliche Stress auf nur zweimal die  Woche reduziert.

 

Was kann man machen, um sich das Pendeln erträglicher zu gestalten?

  1. Sich in Fahrgemeinschaften organisieren. So verursacht man weniger Verkehr, lernt neue Menschen kennen und spart viel Stress. Im Netz gibt es verschiedene Anbieter wie flinc.org oder pendlerportal.de.
  2. Regelmäßig unterschiedliche Strecken zur Arbeit fahren, da man so das Gehirn stimuliert und nicht in die Gefahr kommt, aus Routine geistig beim Fahren abzuschalten.
  3. Sich unterhalten lassen. Musik baut Stress ab und reduziert Aggressionen. Auch kann man sich Zeitungsartikel vorlesen lassen und Hörbücher oder Podcasts hören.
  4. Autofahrer sollten sich ein ergonomisches Sitzkissen zulegen. So können Rücken- und Nackenschmerzen vorgebeugt werden.
  5. Bahnfahrer hingegen sind mit einem Nackenkissen gut bedient, da man Verspannungen vorbeugt und euch mal bequem einen Nap machen kann.
  6. Sollte man während der Fahrt Nachrichten versenden müssen oder sonstige Dinge aufschreiben müssen, ist die Diktierfunktion des Smartphones sehr hilfreich.

 

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